Freies Wort- 5. September 2011
Lebendige
Freundschaft
Am
Melanchthon-Gymnasium stand die vergangene Woche ganz im Zeichen der
Schulpartnerschaft mit Montana. Morgen fliegen die Jugendlichen wieder nach
Hause, im Gepäck viele Erlebnisse und Eindrücke.
Von Annett Recknagel
 |
|
Die
bulgarischen Mädchenzeigen den Schmalkaldern zum Abschied einen
traditionellen bulgarischen Tanz.
Foto: Annett Recknagel |
Schmalkalden - Einen
bulgarischen Gast betreuen zu dürfen, das war für die Schüler des
Philipp-Melanchthon-Gymnasiums eine ganz neue Erfahrung. "In der vorigen
Woche war einfach alles anders", sagen Natalie Bastam und Johanna Sitter,
Schülerinnen der Klasse 10/1. Die beiden Mädchen hatten bereits im
vergangenen Jahr am Schüleraustausch mit dem Fremdsprachengymnasium im
bulgarischen Montana teilgenommen. "Wir kannten unsere 'Gäste schon",
erzählen sie.
Über Facebook hatten die Mädchen das ganze Jahr über Kontakt gehalten. Als
die Freundinnen dann endlich in Schmalkalden eintrafen, war die Freude
natürlich groß. Johanna Sitter stellte Polina ihr Zimmer zur Verfügung.
Natalie Bastams Gast bekam das ihrer Schwester. Während des einwöchigen
Aufenthaltes der Gäste lief in den Familien der beiden Jugendlichen alles
anders als gewohnt ab. Schließlich wollte man den Freunden einen sehr
schönen Aufenthalt bieten. Der Unterricht am Gymnasium fiel zwar nicht aus,
allerdings waren die Betreuungsschüler von den Hausaufgaben befreit. "Sonst
wäre das alles nicht zu schaffen gewesen", meinen die Zehntklässlerinnen.
Jeden Tag nach der Schule nahmen sie ihre bulgarischen Gäste mit nach Hause.
"Wir sind mit ihnen in die Stadt gegangen, haben uns in Cafés
gesetzt, gemeinsam Eis gegessen und Freunde getroffen", erzählt Natalie
Bastam. Ihre Victorija sei sehr offen gewesen und habe richtig gut Deutsch
gesprochen. Verständigungsprobleme gab es so gut wie keine. Johanna Sitters
Polina dagegen war eine eher ruhigere Schülerin, die nicht allzu viel
sprach. Trotzdem versuchte die Steinbach-Hallenbergerin, ihre bulgarische
Freundin aus der Reserve zu locken, indem sie ihr ihre Heimatstadt zeigte
und viel mit ihr unternahm. Jeden Abend waren die beiden Mädels mit den
Bulgarinnen unterwegs. "Vor 11 Uhr sind wir nie ins Bett gekommen. Das war
schon anstrengend, aber auch schön."
Viel Lob ist von allen Gästen zu hören. "Das war super", berichtet Ivanna
Georgieva. Sie wohnte bei Julia Riegel in Schmalkalden und war besonders vom
Stadtfest beeindruckt. Das erlebte die gesamte Gruppe mit. Auch legten die
Betreuungsschüler großen Wert auf gemeinsame Aktivitäten. So wurde
beispielsweise ein Bowlingabend im "Ehrental" organisiert, auch ins Kino
fuhr man in der Gruppe. "Es war wirklich sehr schön hier", sagt Polina
Petrova. "Aber auch kalt", fügt Ivanna Georgieva hinzu. Das deutsche Essen
schmeckte den Gästen sehr gut. Thüringer Klöße jedoch waren nicht unbedingt
ihre Lieblingsspeise: Ivanna gab ihren Gastgebern gar einen kleinen
Sprachkurs in Bulgarisch. "Wir haben bestimmte Gegenstände auf Deutsch und
Bulgarisch benannt", erzählt sie. Daran hatten nicht nur die beiden
Schülerinnen ihren Spaß, auch die Betreuungseltern konnten noch etwas
lernen.
Die bulgarische Gruppe selbst schaute sich während ihres einwöchigen
Aufenthaltes unter anderem den Erfurter Landtag und die Schmalkalder
Fachhochschule an. Auch im Philipp-Melanchthon-Gymnasium gab es ein
gemeinsames Schülerprojekt. Natürlich lernten sie das Schulhaus genau
kennen.
Zum Abschluss am vergangenen Freitag brachten die Besucher aus Montana den
Siebtklässlern ihr Heimatland Bulgarien, ihre Stadt und ihr Gymnasium über
eine Computerpräsentation näher. Gespannt verfolgten die deutschen Mädchen
und Jungen den Vortrag der bulgarischen Jugendlichen, der sehr gut zu
verstehen war.
Alle Schüler des Fremdsprachengymnasiums in Montana lernen ab der 8. Klasse
Deutsch. Dabei werden auch Fächer wie Geschichte oder Geografie in Deutsch
gehalten, informierte Petra Bauerschmidt, die seitens des Gymnasiums die
Gäste betreute. "Das, was wir hier gelernt haben, ist ja so toll und so
groß", sagte Reneta Dimitrova, Deutschlehrerin und Betreuerin der
bulgarischen Gruppe, am Abschiedstag im Schmalkalder Gymnasium. Die Schüler
hätten gerade in den ersten Besuchstagen solch eine Menge an Eindrücken zu
verarbeiten gehabt, dass sie nicht ganz so offen wie zu Hause aufgetreten
seien. Ein großes Lob sprach die bulgarische Lehrerin den Gastfamilien aus.
Die Betreuung sei sehr freundlich und nett gewesen. Natürlich versäumte sie
es auch nicht, die Deutschen nach Bulgarien einzuladen. Mit dem Vortrag
hatte sie die Neugier der Schüler auf das Land, dessen berühmtes Symbol das
Rosenöl ist, geweckt. Im nächsten Jahr fahren die jetzigen Betreuungsschüler
nach Bulgarien, die Siebtklässler bekommen in zwei Jahren die Möglichkeit,
das Land mit den vielen Kirchen und Glocken kennenzulernen. Viel Applaus
bekamen die bulgarischen Mädchen auch für einen vorgeführten Volkstanz.
Abgeschlossen wurde der Schüleraustausch am Wochenende mit einer gemeinsamen
Wanderung. Heute ist die Gruppe noch in München unterwegs, bevor es morgen
für sie wieder nach Hause geht.
<nach oben>